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Perspektiven 1/2019
Dr. Michael Kiefer
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Veröffentlicht Sep 17, 2019

Abstract

Bereits ein kurzer Blick auf die Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege zeigt, dass Religion und Soziale Arbeit nach wie vor in einer starken Verbindung stehen. Von sechs Spitzenverbänden verfügen drei Organisationen – der Caritasverband, das Diakonische Werk und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden – über eine enge Anbindung an Religionsgemeinschaften. Konkret bedeutet dies, dass nach wie vor ca. 1 000 000 Menschen als hauptamtliche Kräfte bei Trägern in Deutschland arbeiten, die über religiös geprägte Leitbilder verfügen. In einer Gesellschaft, die seit Dekaden einem sukzessiven Säkularisierungsprozess ausgesetzt ist und in der Kirchenaustritte in hoher Zahl den Normalfall darstellen, wird natürlich darüber diskutiert, ob eine religiös konnotierte Wohlfahrtsarbeit notwendig und zeitgemäß sein kann. Diese Diskussion hat auch die verschiedenen Handlungsfelder der Sozialen Arbeit längst erreicht und wird mit viel Verve diskutiert. Soll eine wie auch immer geartete religiöse Orientierung professionelles sozialarbeiterisches Handeln beeinflussen? Brauchen wir nicht eher neutrale bzw. säkulare Konzepte von Sozialer Arbeit? Wir leben schließlich in einer sehr heterogenen Gesellschaft, in der sich eine Vielzahl von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften unter einem Dach versammeln. Oder aber müssen wir die religiös konnotierten Angebote für die neu hinzugekommenen Religionsgemeinschaften ausbauen? Der konkrete Diskussionsgegenstand wäre hier eine muslimische Wohlfahrtspflege.